Erstgespräch anfragen

Lesezeit ca. 3 Minuten

Die Atmung – dein direkter Draht zum Nervensystem

Bleistift mit der Aufschrift „Inhale – Exhale“ vor einem Bücherstapel

Du atmest den ganzen Tag, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden. Genau deshalb merkst du nicht, wenn du im Stress flach, schnell und nur noch oben in der Brust atmest. Dabei ist die Atmung einer der wenigen Hebel, mit denen du dein Nervensystem direkt erreichst.

Gaspedal und Bremse

Vieles in deinem Körper läuft automatisch: Herzschlag, Verdauung, die Spannung deiner Blutgefäße. Gesteuert wird das vom autonomen Nervensystem — autonom, weil es ohne dein Zutun arbeitet. Du kannst schneller laufen, aber deinem Puls nicht einfach befehlen, langsamer zu schlagen.

Dieses System hat zwei Gegenspieler. Der Sympathikus ist dein Gaspedal: Er macht wach, schnell und kampfbereit — und dreht nebenbei den Zuckerverbrauch hoch. Kein Wunder, dass Stress und Heißhunger oft gemeinsam auftreten. Der Parasympathikus ist deine Bremse: Er kümmert sich um Verdauung, Reparatur und Erholung.

Warum Dauerstress Energie kostet

Stress an sich ist nichts Schlechtes. Hormone wie Adrenalin und Cortisol haben unseren Vorfahren das Leben gerettet. Nur war Stress früher kurz — und endete fast immer mit Bewegung: Kampf oder Flucht. Danach war Ruhe.

Heute bleibt die Bewegung aus, der Stress aber nicht. Arbeit, Familie, volle Freizeit, zu wenig Schlaf: Hormonell sind wir ständig auf der Flucht. Der Körper lenkt dann Energie in die Muskeln und spart dort, wo es gerade weniger dringend scheint — bei Verdauung, Immunsystem und Regeneration.

100 % Arbeit + 100 % Freizeit = 300 % Stress

In meinen Anamnesegesprächen sehe ich das selbst bei Sportler:innen, die gesund leben: wenig Energie, Probleme mit der Wärmeregulation, eine träge Verdauung. Nicht selten steckt dahinter kein Trainingsfehler, sondern ein Nervensystem, das nicht mehr richtig bremst.

Atmung — dein Zugang zur Bremse

Das autonome Nervensystem lässt sich kaum beeinflussen — aber eben nur kaum. Die Atmung läuft zwar automatisch, du kannst sie aber jederzeit bewusst übernehmen. Damit hast du einen Schlüssel zu einem Raum, der sonst verschlossen ist.

Ruhige, tiefe Atemzüge in den Bauch, mit Betonung auf der Ausatmung, sprechen den Parasympathikus an. Die Botschaft an deinen Körper: Gefahr vorbei, jetzt darf regeneriert werden.

Und im Sport?

Atmen heißt nicht nur Sauerstoff holen, sondern auch Kohlendioxid loswerden. Das CO₂ ist dabei kein reiner Abfall: Es hilft, die Blutgefäße weit zu halten. Wer hektisch zu viel atmet, atmet zu viel davon ab — die Gefäße verengen sich, es kribbelt, im Extremfall wird einem schwindlig.

Untersuchungen mit Läufer:innen geben Hinweise, dass bewusst tiefes Atmen bei gleichem Tempo Herzfrequenz und Laktatwerte senken kann. Im besten Fall heißt das: gleiche Arbeit, weniger Aufwand.

Was du tun kannst

  • Drei Minuten Atempause: ruhig in den Bauch atmen, etwa 4 Sekunden ein und 6 Sekunden aus.
  • Am Morgen: Mach die Übung zur Routine — so startest du nicht gleich im Stressmodus in den Tag.
  • Vor dem Schlafen: Wenn du schwer einschläfst, kann dieselbe Übung beim Runterfahren helfen.
  • Zwischendurch: Ertapp dich beim flachen Atmen — am Schreibtisch, im Stau — und nimm drei tiefe Atemzüge.
  • Im Training: Achte in lockeren Einheiten bewusst auf eine ruhige, tiefe Atmung.

Bei Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen besprich Atemübungen vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Porträt von Mario Einödmaier

Mario Einödmaier ist staatlich geprüfter Trainer (BSPA), Mentor und Ausdauerathlet aus dem Burgenland. Seit 2011 bildet er sich in Training, Ernährung und Regeneration weiter. Mehr über Mario

Passend dazu: IHHT-Zelltraining — Höhentraining ohne Berg · Ratgeber: HRV verbessern

Fragen zu deinem Fall?

Erstgespräch anfragen