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Westlicher Lebensstil – alte Gene im neuen Umfeld

Zwei Wegweiser mit der Aufschrift „Choice“ zeigen in entgegengesetzte Richtungen

„Das ist bei meinen Freunden auch so. Völlig normal, oder?“ Diesen Satz höre ich oft — bei Gewichtszunahme mit dem Alter, bei schlechtem Schlaf, bei ständiger Müdigkeit. Häufig, ja. Normal ist es trotzdem nicht.

Was dein Alltag mit deinen Zellen macht

Wenn ich mit Kund:innen arbeite, schaue ich mir das ganze Leben an. Denn alles wirkt auf deine Zellen: wie du arbeitest und mit welchem Gefühl, was du isst, wie viel Stress du trägst, ob du dich bewegst.

In fast jeder Zelle sitzen Mitochondrien — kleine Kraftwerke, die aus Nahrung und Sauerstoff Energie gewinnen, in Form eines Moleküls namens ATP. Ein gesunder Körper stellt davon täglich ungefähr sein eigenes Gewicht her und verbraucht es wieder. Bei 80 Kilo sind das rund 80 Kilo ATP, jeden Tag. Ein ungünstiger Lebensstil kann diese Produktion bremsen. Das fühlt sich dann oft so an: schlapp, lustlos, morgens wie gerädert.

Dauerstress hält Entzündungen am Laufen

Stress aktiviert den Sympathikus, deinen inneren Gasfuß. Das kurbelt Entzündungsprozesse an, und der Körper schüttet das Stresshormon Cortisol aus, um sie wieder zu bremsen. Studien geben Hinweise, dass die Zellen bei Dauerstress schlechter auf diese Bremse reagieren. Die Entzündung klingt nicht richtig ab, das Immunsystem bleibt aktiv — und verbraucht Energie, die deinen Organen fehlt.

Essen, das unser Körper nicht kennt

Über Jahrtausende gab es Beeren, Nüsse, Samen, Wild, Fisch, saisonales Obst und Gemüse. Stark verarbeitete Lebensmittel mit Stabilisatoren und Emulgatoren sind dagegen neu. Unsere Gene und unser Darm hatten keine Zeit, sich darauf einzustellen.

Studien zeigen, dass diese westliche Ernährung die Darmflora — die Gemeinschaft der Bakterien in deinem Darm — aus dem Gleichgewicht bringen kann. Das Immunsystem reagiert, stille Entzündungen können folgen, mit Auswirkungen bis ins Gehirn. Dazu kommt: Viele von uns können Gusto und Hunger kaum noch unterscheiden. Wir essen, weil es zwölf ist, weil die Kollegen gehen, weil der Stress nagt.

Früher mussten wir dem Essen nachlaufen. Heute müssen wir vor ihm davonlaufen.

Wenn der Stoffwechsel das Umschalten verlernt

Stress ist in Ordnung, solange er kurz ist und ein Ende hat. Zum Problem wird er, wenn kein Ende in Sicht ist. Und heute stressen uns vor allem die vielen Möglichkeiten: Job, Training, Freunde, Verein, Handy — alles gleichzeitig. Kommt noch eine strenge Diät dazu, wird es eng. Weniger essen heißt nicht automatisch dauerhaft weniger wiegen.

Ein gesunder Stoffwechsel ist flexibel: Er wechselt mühelos zwischen Zucker und Fett als Brennstoff. Fachleute sprechen von metabolischer Flexibilität. Bewegungsmangel, Dauerstress, schlechter Schlaf und Fertigessen lassen uns diese Fähigkeit verlernen. Die gute Nachricht: Sie lässt sich wieder trainieren.

Was du tun kannst

  • Nimm dir bewusst Zeit für dich: feste Zeiten ohne Handy, Tablet und Fernseher, dazu ein paar Minuten ruhige Bauchatmung.
  • Dusch kalt, sofern gesundheitlich nichts dagegen spricht — der kurze Kältereiz fordert deinen Körper, selbst Wärme zu produzieren.
  • Koch selbst, so oft es geht. Das spart Geld, Kalorien und jede Menge Zusatzstoffe.
  • Erst bewegen, dann essen: weiter weg parken, mit dem Rad in die Arbeit, raus ins Tageslicht.
  • Schlaf regelmäßig: Plane Zubettgeh- und Aufstehzeiten — und halte dich daran.

Halten Müdigkeit, Schlaf- oder Verdauungsprobleme länger an, gehören sie ärztlich abgeklärt — dafür arbeite ich mit einem Netzwerk aus Ärztinnen und Ärzten zusammen.

Porträt von Mario Einödmaier

Mario Einödmaier ist staatlich geprüfter Trainer (BSPA), Mentor und Ausdauerathlet aus dem Burgenland. Seit 2011 bildet er sich in Training, Ernährung und Regeneration weiter. Mehr über Mario

Passend dazu: Körperanalyse nach ERPSE — finde heraus, wo du wirklich stehst

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