Laktatdynamik verstehen und deine Leistung verbessern

Viele Hobbysportler:innen trainieren nach Gefühl — und landen fast immer im selben mittelharten Bereich. Das fühlt sich fleißig an, bringt aber oft wenig. Ohne Messung weißt du schlicht nicht, wo deine Grenzen liegen.
Laktat ist kein Abfall
Lange galt Laktat — umgangssprachlich Milchsäure — als Schuldiger für müde, „saure“ Muskeln. Heute weiß man es besser: Die Übersäuerung kommt von Wasserstoff-Ionen, die bei der schnellen Energiegewinnung entstehen. Laktat wirkt dem sogar entgegen. Den Rest puffert das Blut ab, dabei entsteht CO₂, das du ausatmest. Deshalb schnaufst du bei Überlastung so heftig.
Mehr noch: Laktat ist Treibstoff. Es pendelt von Zelle zu Zelle. Was schnelle Muskelfasern bilden, verwerten ausdauernde Fasern, das Herz, die Leber und die Nieren weiter.
Was die Diagnostik zeigt
Beim Stufentest am Ergometer steigt die Belastung Stufe für Stufe, abgestimmt auf dein Niveau. Nach jeder Stufe messe ich Herzfrequenz und Laktatwert. Je höher die Belastung, desto mehr Laktat sammelt sich im Blut. Aus den Kurven ergeben sich deine Trainingsbereiche und deine individuelle anaerobe Schwelle: der Punkt, ab dem dein Körper mehr Laktat bildet, als er gleichzeitig abbauen kann.
Ohne Daten bleibt es nur ein Raten.
Die Grenzen sind fließend, nicht absolut. Deshalb braucht die Auswertung Erfahrung — und jedes Ergebnis eine Konsequenz im Training, sonst bleibt der Test eine Zahl auf Papier. Das Ziel des Trainings danach: Deine Herzfrequenzkurve wird flacher, deine Laktatkurve wandert nach rechts. Übersetzt: Du leistest mehr, bevor es sauer wird.
Warum die Mitochondrien entscheiden
Deine Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, verarbeiten das Zwischenprodukt der Zuckerverbrennung weiter. Je mehr und je fitter sie sind, desto weniger Laktat staut sich. Viele Zellen besitzen Hunderte bis Tausende davon. Zusammen produzieren sie täglich ungefähr so viel ATP, die Energiewährung des Körpers, wie du wiegst.
Dazu kommt die Sauerstofflieferung: Ausdauertraining lässt mehr feinste Blutgefäße, die Kapillaren, im Muskel entstehen. Auch ein Magnesiummangel kann die Kraftwerke bremsen — mehr dazu in Magnesium & Müdigkeit.
Es muss nicht immer Vollgas sein
Früher sammelte man viele Stunden im mittleren Bereich zwischen den Schwellen. Heute setze ich auf polarisiertes Training, bei mir selbst wie bei meinen Athlet:innen. Der Großteil der Einheiten ist wirklich locker, ein kleiner Teil wirklich hart, die zähe Mitte fällt weitgehend weg. Das fühlt sich anfangs fast zu langsam an. Meine Erfahrung: Regeneration, Fettstoffwechsel und die maximale Sauerstoffaufnahme (VO₂max) entwickeln sich damit deutlich.
Locker baut die Basis: bessere Sauerstoffnutzung, mehr Kapillaren, schnellere Erholung. Hart entwickelt die Spitze: Tempo, Laktattoleranz, Sprintfähigkeit. Beide Systeme konkurrieren miteinander — wer zu lange nur eines trainiert, verliert im anderen. Fix ist aber: ohne Basis keine Spitze.
Was du tun kannst
- Lass deine Bereiche messen, statt sie zu schätzen — und überprüf sie nach ein paar Monaten.
- Trainier den Großteil wirklich locker. Fühlst du dich dabei unterfordert, machst du es wahrscheinlich richtig.
- Gib jeder Einheit ein Ziel: Harte Intervalle nur ausgeruht und mit vollen Speichern, lockere Einheiten dürfen auch mal nüchtern sein.
- Bau zuerst die Basis, dann die Spitze.

Mario Einödmaier ist staatlich geprüfter Trainer (BSPA), Mentor und Ausdauerathlet aus dem Burgenland. Seit 2011 bildet er sich in Training, Ernährung und Regeneration weiter. Mehr über Mario
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